Wieder mal in den USA (2)

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Ernährung im Urlaub

Wer bei mir öfters vorbeischaut weiß, dass mir eine wertige Ernährung wichtig ist. Das heißt für mich: keine genmanipulierten Lebensmittel oder Zusatzstoffe, nach möglich Bio-Frischwaren, Fleisch von lokalen Betrieben, keine Geschmacksverstärker, ein Minimum an Zusätzen generell.

Wir waren schon oft in Österreich und haben dort immer sehr gutes Essen in den Hotels bekommen. Wir waren dort im Bregenzer Wald und haben positiv überrascht gelernt, dass man dort in erster Linie lokale Lieferanten bzw Produzenten bevorzugt. Sogar in den Niederlanden hat sich einiges getan, auch dort gibt es gutes Essen, allerdings schon etwas teurer als bei uns.

Ich muss ehrlich sagen, dass ich mir über das Essen gehen oder Lebensmittel kaufen im Vorhinein zu unserem USA Trip keine Gedanken gemacht habe, da ich schon öfters in den USA war. Wir hatten ja ein Haus angemietet und wollten essen gehen und auch selbst kochen.

Erste Eindrücke im Supermarkt

Nachdem wir gelandet sind war eine unserer ersten Anlaufpunkte ein Supermarkt. Und ich muss sagen, ich war mehr als überrascht, als ich die Preise sah. Eine ganz normale Marmelade kostete um 5 Dollar (knapp unter 5 Euro), ein Beutelchen Tiefkühlbrötchen mit 8 kleinen französischen Brötchen um die 4 Dollar. Das ist keine Importware gewesen, sie hießen einfach nur französische Brötchen. Diese gesalzenen Preise zogen sich querbeet durch alles, was wir gekauft haben. Jetzt bin ich ja nicht geizig, was Lebensmittel angeht. Aber ich bezahle nur gerne mehr für bessere Qualität.

Viele Lebensmittel sind zugeballert mit Zusatzstoffen, wenn man Glück hat, steht auch alles drauf, was so drin ist. Meine Tochter hat im Zusatzstoffe-Bereich einige Allergien, es war teils schon schwierig und manchmal ein auf-gut-Glück-Kauf.

Generelles zum Nachdenken

An dieser Stelle möchte ich für das Thema Getreide, Fleisch, Milchwaren sensibilisieren. Ich möchte keinen missionieren oder hier ein Dogma ausrufen, aber wer sich für gesunde, wertvolle Ernährung interessiert, sollte sich mit dem Thema Tierhaltung, Fleischverarbeitung, genmanipulierten Getreiden auseinandersetzen.

So gibt es in den USA zum Beispiel fast keinen Mais, der nicht genmanipuliert ist, da aber fast in jedem verarbeiteten Produkt wie zB Ketchup Maisstärke bzw Maissirup enthalten ist, ist damit auch fast alles Verarbeitete nicht GMO (Genetically Modified Organism)-free. Neben Mais steht auch Soja ganz oben auf der Liste der genmanipulierten Pflanzen. Das Soja-Problem besteht bei uns in Deutschland übrigens fast genauso. Nicht unproblematisch, da Soja eine beliebte Futterpflanze ist.

Die Fleischverarbeitung ist ein delikates Thema. Wir hören ja auch hier bei uns von Fleischskandalen (Gammelfleisch). Diese haben ihren Ursprung oft beim Fleischverarbeiter, der etikettiert auch schon mal um und macht das Fleisch einfach per Ausdruck deutlich haltbarer bzw wieder haltbar.

Meines Wissens gibt es in den USA nur sehr wenige Fleischverarbeitungsbetriebe. Diese Betriebe sind riesig und auf maximalen Durchlauf ausgelegt. Daher kommt es bei der Verarbeitung des Fleischs zu Verunreinigungen. Diesem verunreinigten Fleisch kommt man mit der Behandlung bzw Reinigung mit Chlor nach. Neuerdings ist das Reinigen des Schlachtfleischs auch in der EU zulässig, allerdings wohl mit Milchsäure.

Weitere Informationen dazu liefert: Food, inc, oder auch das Buch von Eric Schlosser, Fast Food Nation, das auch verfilmt wurde. Und auch dieser Artikel in Cicero informiert gut.

Ich, der Pingel dann beim Food-Shopping

Also trage ich dieses Wissen mit mir rum, habe dazu leider ja auch einen nicht so gesunden Magen und Unverträglichkeiten und muss Lebensmittel kaufen. Es war SEHR schwer mich für überhaupt etwas zu kaufen. Hier in Deutschland kenne ich die Produkte, die für mich gut funktionieren, aber dort eben nicht. Ein gutes Toastbrot mit Körnern, das nicht pappig ist, hatten wir gefunden. Auch einen Cheddar. Wir haben die ersten Male eine ziemliche Zeit in den Supermärkten verbracht, alleine um die Zusätze bzw die Labels zu lesen. Wir hatten nachher einen kleinen, sehr übersichtlichen Standard an Food.

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Positiv überrascht war ich von dem Fleischangebot. Alles, was nicht konventioneller Ware entspricht, wird auch so gelabelt. Wenn Fleisch von Rindern ist, die wirklich auf Weiden stehen und Gras fressen, steht es drauf. Ich war anfangs skeptisch, aber das Fleisch war geschmacklich wirklich top.

Nach einer Woche haben wir durch Zufall einen tollen Bio-Supermarkt in Fort Myers gefunden. Doch Bio (Organic) kostet in den USA wirklich viel, ungefähr das dreifache, was es bei uns kostet. Lokale Bio-Bauern habe ich nicht ausmachen können, ich war allerdings auch nicht auf einem Farmers Market.

Und die Restaurants

Meine Vorlieben in Bezug auf die Qualität von Lebensmitteln wirken sich natürlich auch auf die Wahl von Restaurants aus. Eine sehr schöne Entdeckung war ein kleines Restaurant, das Bagels und Wraps verkaufte. Fast alles wurde selbst hergestellt, eine unglaubliche Auswahl an Bagels. Sehr, sehr lecker, wir waren dort öfters. Leider ist das Thema Wraps und Bagels scheinbar eine Frühstückssache… zu dieser Tageszeit läuft dort das Hauptgeschäft. Sauber, freundlich und definitiv gut.

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Das Restaurant mit den besten Burgern in der Stadt (nicht laut Eigenwerbung, sondern bei 2 Apps) war ein Reinfall. Die Burger waren in erster Linie fettig, hatten kaum Geschmack. Wir waren echt enttäuscht, was vielleicht daran liegt, dass mein Mann einfach geniale Burger auf dem Grill zaubert 🙂

Das soll hier kein Verteufeln des amerikanischen Essens sein. Denn ich habe auch schon sehr gut in den USA gegessen. In New York, New England oder auch auf Hilton Head Island war ich in hervorragenden Restaurants. Es kommt halt drauf an wo man ist – eine Location-Frage. Wir sind uns dort auf jeden Fall bewusst geworden, dass wir in Deutschland in Bezug auf Lebensmittel gute Qualität für einen verhältnismäßig geringen Preis bekommen. Manchmal muss man sich dessen einfach noch einmal bewusst werden.


 

  1. in Österreich ist es ja nicht viel anders. Hier sind so viele Lebensmittel mit Zusatzstoffen, Zucker und anderen Süßungsmitteln 🙁

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    1. Hallo Kim,

      oh, wirklich? Als ich im Bregenzer Wald war, empfand ich die Produkte (ich habe den Namen der Marke vergessen) ganz ok. Vielleicht war das aber auch örtlich begrenzt.

      Süßungsmittel benutze ich gar keine. Das ist so schwierig, weil diese Mittel in so vielen Produkten sind. Ich bin immer wieder verwundert, was so alles in einem Eis o.ä. ist 🙂

      Liebe Grüße, Bee

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  2. Liebe Bee,

    vielen Dank für Deinen informativen Post.

    Ich war auch schon mehrfach in den USA, und das Essen bzw. den Lebensmitteleinkauf fand ich dort immer problematisch, obwohl ich kein Pingel bin. Das lappige Weißbrot ist scheußlich, aber als wir mal in NY waren, haben wir tatsächlich eine tolle Bäckerei gefunden, die sogar Schwarzbrot hatte. Man muss nur suchen, aber oft fehlt die Zeit.

    Natürlich gibt’s auch gute Restaurants, aber viele sind halt unerschwinglich. Das beste sind immer Tipps von Einheimischen.

    Viele Grüße
    Rosa

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    1. Du hast Recht, Rosa. Man muss ganz schön suchen und dann auch Glück haben, so wie du in NYC.
      Für den nächsten Trip bin ich gewappnet 🙂
      Liebe Grüße, Bee

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  3. Ach ja, die Amerikaner und ihr essen 😉 Ich liebe Amerika und ich will unbedingt wieder hin. Aber rein aus gesundheitlichen Gründen bin ich dann doch froh wenn ich hier zum Lebensmittelladen meiner Wahl gehen kann und weiß woher dieser seine Ware hat. In der Hinsicht sind wir den lieben Amis doch deutlich voraus. 😉

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    1. Hallo Markus,

      Man muss da ganz schön suchen… Nachher hatte ich ja einen kleinen Standard zusammen. Aber die Durchschnitts-Qualität entspricht nicht unserer. Ich glaube, dass es einige Gesundheitsbewußte gibt, doch die meisten schauen eben nicht nach Zusätzen etc. Wir dürfen wirklich nicht meckern, was wir hier bekommen ist gut, schau doch wie gut die Produkte der Discounter oft bewertet werden, selbst von ökotest.

      Liebe Grüße, Bee

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  4. Liebe Bee,

    wirklich sehr interessant! Ich wusste nicht, dass Lebensmittel dort drüben so teuer sind. In den USA einkaufen wäre für mich wohl auch eine Herausforderung. Ich muss ja zwangsläufig schauen, was da überall so drin ist. Auch wenn ich keine Allergien habe, kann das ziemlich unangenehm werden 😉 Neugierig bin ich aber immer und ich liebe es durch „fremde“ Supermärkte zu schlendern 🙂

    Im Alltag bin ich aber dann doch eher Gewohnheitstier und kaufe die Sachen, bei denen ich weiß, was da drin ist und ich bedenkenlos essen kann.

    Liebe Grüße
    Sarah

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    1. Liebe Sarah,

      die Preise sind scheinbar sehr gestiegen, das war vor 10 Jahren definitiv nicht so. Ich bin ja nun kein Freund davon, dass Lebensmittel billig sein müssen, aber teuer sollte auch wirklich gut sein… Wir haben uns über Schlangen am McD drivethru gewundert, es ist billiger Fast Food zu essen als zu kochen.
      Ich mag auch gerne fremde Supermärkte, ich mag holländische oder italienische. Das andersartige Angebot fasziniert mich und weckt meine Neugierde.
      Momentan recherchiere ich zu clean eating, das hört sich für mich toll an. ich mache da vielleicht einen Post draus 🙂

      Liebe Grüße, Bee

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  5. Liebe Bee,

    ich war noch nie in Amerika, ich kenne es nur von Erzählungen. Entweder von Freunden oder ich schaue mir auch gerne Dokumentarfilme an, die auch mal ab und an über die amerikanische Kultur berichten.

    Über die Esskultur in Amerika hört man ja Vieles, positiv wie negativ. Dein Bericht bestätigt das, was man sich so unter amerikanischen Essen vorstellt. Ich bin schon überfordert, wenn ich in den großen Supermärkten in Frankreich einkaufen gehe, aber ein amerikanischer Supermarkt muss nochmal eine andere Dimension sein.

    Man hört ja immer wieder, dass sich Amerikaner ungesund ernähren würden. Ich weiß, man soll nicht verallgemeinern, aber ist dem tatsächlich so? Oder kostet gutes Essen einfach nur so viel, dass der Durchschnittsbürger sich dieses nicht leisten kann?

    Liebe Grüße

    Mimi

    Antworten

    1. Liebe Mimi,

      die USA sind in der Tat in Bezug auf Ernährung zwiegespalten. Es gibt durchaus Menschen, die Wert auf eine qualitative Ernährung legen. Wenn du zum Beispiel Ernährungsformen wie Clean Eating betrachtest, eine Amerikanerin hat diese Ernährungsform ins Leben gerufen. Auch der sehr kritische Film Food, Inc. ist ein amerikanischer. Die breite Masse macht sich mE keine Gedanken über das, was sie essen. Das Angebot in den Supermärkten spiegelt ja das wieder, was gekauft wird. Der Bio-Supermarkt war unglaublich teuer, es waren immer ein paar Kunden drin. Aber die gute Qualität muss man sich erst einmal leisten können.

      Ich hatte das hier in einem Kommentar schon einmal erwähnt, es wundert bei den Lebensmittelpreisen nicht, dass McD mittags soviel zu tun hat. Es ist billiger als selbst zu kochen. Wenn Du mittags Fleisch mit Gemüse einer 4-köpfigen Familie anbietest, liegst du bei über 40 Euro. Und das ist dann die Standardware.

      Es hat mich wieder einmal wach gerüttelt, auch noch einmal meine Ernährung zu hinterfragen. Du kennst mich 😉

      Liebe Grüße, Bee

      Antworten

      1. Liebe Bee,

        es ist doch gut, dass solche Erfahrungen und Erlebnisse einen immer wieder zum Nachdenken animieren und man diese Gelegenheit nutzt, um Gewohnheiten umzustellen.

        Es ist nicht die Masse die gut ist, sondern die Qualität. Dann lieber etwas weniger, dafür aber qualitativ hochwertig. Ich versuche gerade auch etwas an unseren Essensgewohnheiten zu ändern, gerade was die Ernährung unserer jüngeren Tochter anbetrifft. Das ist allerdings gar nicht so einfach. Ich möchte nicht komplett auf Clean Eating umstellen, aber doch bewusster essen. Das ist eine wirklich große Herausforderung.

        Und dass du hier großen Wert auf Qualität legst, weiß ich und finde ich gut 🙂

        LG
        Mimi

      2. Mimi, das sehe ich genauso. Es ist schwierig die Gewohnheiten abzulegen. Das geht mir auch so… Ich bin dabei in Clean Eating einzusteigen, das ist auch für mich eine Herausforderung. Ich kann nicht alles selbst herstellen, auch wenn ich das gerne machen würde.

        Ich kann dir gerne helfen, wenn du Lust auf Infos hast, schreib mir gerne. Ich habe dazu einiges gelesen oder auch Blog-Empfehlungen 🙂

  6. Hallo Bee,
    als wir nach Amerika u. genauer gesagt nach New York reisten, dachte ich damals. Ganz Amerika ist eine ungesunde Ernährung. OK. Ganz kann ich es nicht berurteilen und auch für New York relativiere ich mein Vorurteil, denn es gibt auch Restaurants, wo man etwas „Ordentliches“ essen kann. Also etwas anderes, als Burger, Pizza oder Hot Dogs.

    Ich hatte den Anschein, als stünde an jeder Straßenkreuzung ein Hot Dog Stand.
    Die Restaurants mit dem „anderen“ Speisenangebot muss man sich aber auch leisten wollen. Ich achte auch auf das, was ich esse, was drin ist und wo es herkommt, aber da hab ich es weitestgehend ausgeblendet. Wie du schriebst, New York hat aber auch sehr gute Restaurants.

    Wir waren übrigens auch in einem besseren Restaurant zum Burgeressen. Nur die besten Zutaten waren angekündigt. Der Burger war sehr lecker, das Fleisch gut, Pommes haben wir abbestellt. Ketchup stand auf dem Tisch zum self service. Da war das mit den „besten Zutaten“ auch wieder zu relativieren. 😉
    HG Hans

    Antworten

    1. Hallo Hans,

      ja, das ist so eine Sache, sich in den USA ernähren. Ich denke, dass die große Masse sich mit dem Thema Ernährung bzw Zusatzstoffen etc nicht auseinandersetzt. Bio-Qualität ist wirklich nur etwas für Leute mit Geld, das ist schon deutlich teurer als konventionelle Lebensmittel. Restaurants gibt es schon gute, aber auch die sind nicht preiswert.

      Dazu ist man in Bezug auf Pflanzen als Heilmittel uns weit hinterher, ich hatte echte Probleme Heilerde zu bekommen oder Mariendistel. Da wird man schief angeguckt, wenn man nach so etwas fragt.

      Trotzdem ist es ein schönes Reiseland, für das nächste Mal bin ich gewappnet 🙂

      Liebe Grüße, Bee

      Antworten

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