Von Helden und Genies

Generell ist ja ein „Was wäre wenn“ nichts für mich, hypothetisch ist nicht so sehr meines, und je realitätsferner desto weniger reizt mich dieses Thema. Doch obwohl sehr realitätsfern brachte mich der Beitrag von Paleica zum Nachdenken. Daher habe ich das Stöckchen gefangen und phantasiere ein bisschen zu diesem hier:

Es taucht in unterschiedlichen Fragerunden immer wieder die Frage auf, mit welcher Person, egal ob lebend oder tot, man sich gerne einmal treffen würde. Bei mir haben sich über die letzten Jahre im Grunde drei Persönlichkeiten herauskristallisiert, mit denen ich gern so einiges beplaudern und von denen ich mir gern so manches erzählen ließe. Da ich es generell eine spannende Frage finde und auch immer neugierig bin, was andere drauf antworten und vor allem: warum (dieser Aspekt kommt bei den Frage-Antwort-Stöckchen ja oft zu kurz) mache ich daraus eine kleine Blogparade, ein Stöckchen. Vielleicht mag es ja jemand aufgreifen. Sollte sich daraus etwas entwickeln, wird es am Ende natürlich eine Zusammenfassung geben. Der Zeitraum für die Parade ist gesetzt von ab sofort bis 31. Juli 2016.

Mir gefällt es, wenn mich ein Post zum Nachdenken bringt. Mir fiel im ersten Go keiner ein, doch der Gedanke beschäftigte mich und ich habe mich ein bisschen literarisch / künstlerisch  orientiert und komme doch auf Wunsch-Treffen mit den folgenden Personen. Eines könnte rein theoretisch noch stattfinden 😉

Genies01

Ernest Hemingway

Als Jugendliche habe ich unheimlich viel gelesen und nachher auch englische Literatur studiert, dabei hat mir eine Epoche literarisch sehr gefallen, es geht um die Moderne, die 20er Jahre. Eine Zeit, die aus literarischer Sicht (F. Scott Fitzgerald, Hemingway, Anais Nin…) recht oppulent, lasziv daherkommt, geprägt vom Boheme Lifestyle, der auch mit einer starken sozialkritischen Komponente einhergeht. Ganz besonders der Roman Fiesta hat es mir angetan, Hemingway und seine Autoren-Freunde pendeln zwischen dem hippen, aber auch erdrückenden Paris der Twenties und Spanien hin und her – übrigens ein Roman mit stark autobiografischen Zügen.

Fiesta (im Englischen „The sun also rises“) vermittelt eine unglaubliche Lässigkeit, aber auch eine Schwermütigkeit und eine Vergänglichkeit kommt hier zum Ausdruck. Die Bilder in meinem Kopf zu diesem Buch sind seit Jahren lebendig. Ich wünsche mir selten in einem Film oder Buch zu sein – aber ich möchte die 20er um Hemingway herum miterlebt haben. Sinnieren, philosophieren, leben, sich gehen lassen, genießen und das in Gesellschaft anderer Literaten und Denker. Auch wenn es durchaus mal kritisch wird und auch problembeladen. Also ich sehe mich in Pamplona mit Hemingway and Friends <3

F.Jesch03

Gerhard Richter

Ich bin das Kind eines Künstlers (das Bild oben zeigt einen Ausschnitt eines seiner Gemälde) und habe mein Leben inmitten von Bildern verbracht, daher habe ich einen ganz starken Bezug zur Kunst, zu Bildern und überhaupt zum Optischen. Mein Kunstgeschmack ist nicht sehr eingeschränkt, ich mag gerne Informelles, aber auch Darstellendes und auch Grafisches genauso wie Fotos. Mich spricht nichts an, was zu deutlich ist, ich mag es etwas abstrakter, verfremdet. Ich bin wirklich begeistert von Künstlern wie Frank Stella, Gerhard Richter, Gotthard Graubner, Yves Klein… Ich interpretiere Bilder nicht, ich lasse sie auf mich wirken. Ich liebe die Details in Bildern, ich versinke in ihnen und trete in das Bild ein. Daher ist mein Wunsch einmal einen Gedankenaustausch mit Gerhard Richter zu haben. Dabei sein, wenn er in die kreative Phase eintritt, in der das Bild in seinem Kopf entsteht, wenn er anfängt zu malen, zufrieden oder unzufrieden ist mit dem, was er auf die Leinwand bringt. Mäuschen spielen und lernen, ich stelle mir diese Situation ganz ruhig, fast still vor.

Gerhard Richter ist einer der bedeutendsten lebenden Künstler, ich liebe seine Wolkenbilder, generell liebe ich Wolken. Er und Georg Baselitz führen die Kunstszene weltweit an. Ich halte Gerhard Richter nicht für ein Genie (das Wort passt mE nicht), aber seine Begabung ist begnadet und sein Weg zeigt eine unglaubliche Entwicklung. Künstler sind Menschen, die extrem sinnieren, die Umwelt ganz anders wahrnehmen und diese Eindrücke auf eine faszinierende Weise umsetzen.

Abschließend

Die Kreativität, die sich im geschrieben Wort ausdrückt oder auch in einem Bild zeigt, bewundere ich. Ich liebe Worte, Formen, Farben. Die Kunst ist ein ganz großer Teil meines Lebens in vielerlei Hinsicht.


 

  1. liebe bee, ich freu mich sehr, dass du an der blogparade teilgenommen hast! deine persönlichkeiten finde ich sehr interessant. ernest hemingway (ich habe noch nie etwas von ihm gelesen, eine schande!) würde ich dennoch gern mal treffen, als kind war ich in seinem haus in amerika 🙂 mir ist übrigens der film „midnight in paris“ eingefallen – hast du den gesehen? ich habe mich da sehr mitgenommen gefühlt ins paris der 20er jahre!

    gerhard richter kenne ich nicht – in der kunstszene bin ich leider so gar nicht daheim, da hat mir bis dato noch niemand so wirklich den zugang eröffnet. ich kenne natürlich die klassiker und sehe mir auch gern ausstellungen an, generell lasse ich auch lieber wirken, obwohl ich interpretationen – wenn ich sie denn höre – oft auch echt spannend finde (wie unlängst bei einem bild von klimt und diese woche von chagall).

    Antworten

    1. Liebe Paleica,

      vielen Dank für die Inspiration, es war schön, mal ein bisschen zu träumen. Literatur und Kunst sind in meinem Leben große Themen, besonders die Kunst. Ich habe auch jetzt links zu den Künstlern gesetzt, wer Interesse hat sich die Werke der Künstler mal anzuschauen.

      Mein Vater hat mir auch von „Midnight in Paris“ erzählt, ich habe ihn noch nicht gesehen. Schande über mein Haupt 🙂 Es gibt übrigens eine recht freie Interpretation von Fiesta als Film, nicht unbedingt die authentischste Anlehnung, aber optisch gefällt sie mir sehr https://en.wikipedia.org/wiki/The_Sun_Also_Rises_(1984_film)

      Liebe Grüße, Bee

      Antworten

  2. Uhhhh, jetzt denke ich auch und mir fällt bis jetzt auch niemand ein.
    Das ist wirklich eine spannende Frage. Ich habe auch keine Vorbilder oder so, selbst als Teenager hatte ich keine Idole … erst gestern habe ich dazu einen schönen Begriff gelesen „Faceless Techno“. So war das früher tatsächlich, es ging um die Musik oder verallgemeinert um die Sache, nicht um die Person. Mich interessiert sauviel und ich will total viel wissen, die Person dahinter ist aber eher zweitrangig… so und beim Tippen ist mir doch jemand eingefallen, mit dem ich mich gerne in Ruhe unterhalten würde: Harald Lesch und Steven Hawking!
    Auf dem Handy tippen hat halt doch Vorteile, dabei hat man länger Zeit zum Nachdenken 🙂

    Liebe Grüße,
    Marc

    Antworten

    1. Da hatte ich ähnliche Probleme, ich mache auch meine Auswahl nicht so an dem Menschen fest, sondern an dem Thema um diese Menschen. Ich bin auch interessiert an unglaublich vielen Themen und gerade Kunst ist ein langjähriger, stetiger Begleiter, so kam ich auf Gerhard Richter.

      Stephen Hawking könnte ich mir ebenfalls gut vorstellen. Harald Lesch musste ich erst mal googeln…. im Bereich der Physik hast du also noch offene Fragen 😉 Ich erwarte jetzt deinen Beitrag zum Stöckchen, oder?

      Liebe Grüße, Bee

      Antworten

      1. Selbst die Physiker haben in ihrem Bereich noch viele Fragen.
        Mein Beitrag war glaub der Kommentar, da habe ich schon alles gesagt 🙂

      2. Die Existenzberechtigung für The Big Bang Theory 😉

  3. Liebe Bee,

    spontan wäre mir da auch erstmal niemand eingefallen. Mit Ernest Hemingway würde ich mich auch gerne mal unterhalten und mir noch ein wenig mehr vom Paris der 20er erzählen lassen. Wie es der Zufall will, habe ich gerade gestern wieder „Ein Fest fürs Leben“ in der Hand gehabt. Lustig 😀 Jedes Mal, wenn ich durch Paris laufe, habe ich seine Erzählungen im Kopf.

    Liebe Grüße
    Sarah

    Antworten

    1. Liebe Sarah,

      wie schön, dass dir Hemingway auch so gut gefällt, ich mag seine Art des Schreibens bzw Erzählens sehr. Mich fasziniert, wie er die zwanziger Jahre beschreibt, aber aus der Epoche gibt es auch noch andere Schriftsteller, die mir gefallen :).

      Ich habe jetzt keine Idole o.ä., daher muss man bei der Fragestellung erst mal richtig überlegen. Vielleicht hast du auch etwas dazu? 😉

      Liebe Grüße, Bee

      Antworten

  4. Ich find die Aktion sehr cool! Und ich hab auch mit Freude Deinen Beitrag durchgelesen. Der Mensch lernt ja schließlich nie aus. Und was gibt es spannederes, als die Menschen kennenzulernen, die Bloggerkollegen inspirieren und evtl. sogar antreiben. Ich hoffe ich komm auch noch dazu einen Beitrag zu verfassen… Danke fürs vorstellen Deiner Helden 😉
    lg und einen frohen Wochenstart…

    Antworten

    1. Wie du schon sagst, man kommt ans Nachdenken. Das sind schon sehr persönliche Dinge, die man so preisgibt, aber das ist das Schöne, wer öfters vorbeikommt lesen, für den erschließt sich so ein Bild über die Zeit. Mal so einen Post finde ich sehr gut, andauernd möchte ich das nicht.

      Liebe Grüße, Bee

      Antworten

  5. Also die Literatur, die du da ansprichst, hat mein Interesse gerade doch geweckt. Mit dieser Epoche habe ich mich bisher noch nie beschäftigt, meist las ich eher Bücher, die zur Zweit des zweiten Weltkrieges spielten. Aber das hat sich auch hauptsächlich so ergeben, da ich die Werke geschenkt bekam.

    Mit Kunst kann ich ehrlich gesagt kaum etwas anfangen… Also Gemälde faszinieren mich manchmal schon, aber da auch eher die naturalistischen. Und gerade der Interpretier-Zwang in der Schule hat mir wohl viel Freude an Kunst genommen, sodass ich heute nur noch einige Fotoblogs gespannt verfolge. Aber ich finde es klasse, dass du Kunst einfach auf dich wirken lässt 🙂

    Danke für deinen Kommentar! Dann bin ich mal auf deine Rost-Fotos gespannt 😉 Seit ich letzten Monat deinen Beitrag gesehen habe, ging mir diese Foto-Parade einfach nicht mehr aus dem Kopf.
    Ich glaube, ich habe auch schon einen weiteren Ort gefunden, an dem ich demnächst mal mit meiner Schwester nach Rost suchen werde. Da gibt es so viele Motive, dass es sicher auch für zwei weitere Beiträge genug Bildmaterial werden würde…

    Mal sehen, ob ich in Zukunft noch öfters mitmische… solange ich die Beiträge vorziehen kann, damit sie mit meinem Monatsrückblick/ den Sonnenuntergängen nicht kollidieren, ist das ja doch ziemlich nett 🙂

    Liebe Grüße

    Antworten

    1. Die Literatur um die 20er Jahre herum hat mir sehr gefallen und tut es auch immer noch. Die Autoren dieser Epoche wie F.Scott Fitzgerald, Ernest Hemingway haben einen Stil, der mich absolut anspricht. Ich habe ja auch von Anais Nin gesprochen, die mit ihren Werken allerdings in den Bereich der erotischen Literatur fällt, aber durchaus anspruchsvoll sind.

      Wenn du dir mal ein Buch ausgesucht bzw gelesen hast, freue ich mich über dein Feedback dazu 🙂

      Das schöne an der Rostparade ist ja, dass man vorarbeiten kann, du kannst sammeln, wenn du etwas ansprechendes siehst. Ich mache das auch so 😉 Toll, dass du auch mitmachst.

      Liebe Grüße, Bee

      Antworten

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.