Hat Bildbearbeitung eine Grenze?

Dieser Beitrag ist Teil einer Blogparade zum Thema Bildbearbeitung in der Fotografie. Im Rahmen von Thomas‘ RAW-Bearbeitungs-Challenge gab es einen Kommentar, der die Authentizität also die Natürlichkeit oder auch das Reale des Bildes in Frage stellte, wenn man frei bearbeitet. Aus dieser Fragestellung entstand diese Blogparade.

Wie weit darf Fotobearbeitung gehen?

Uns Interessiert Eure Meinung zu dem Thema. Was ist für Euch, bei der Bearbeitung von Bildern erlaubt, was ist für Euch ein NoGo?

Ich nehme an der oben genannten RAW-Bearbeitungs-Challenge teil, zum einen weil sie meine Idee war und zum anderen weil ich mich dafür interessiere, wie packen andere ein Bild an und was machen sie daraus. Leider greife ich mit dieser Info einem kommenden Post etwas vor, aber die Idee ein RAW-Bild zur Verfügung zu stellen und zur Bearbeitung freizugeben, habe ich von einem amerikanischen Fotografen. Ich habe seine Videos bei YouTube in Unmengen verschlungen und sehr viel dabei gelernt – in einem kommenden Post gibt es ausführlich etwas dazu.

Bildbearbeitung, die Anfänge

Als ich anfing meine Fotos zu bearbeiten war das zuerst wirklich nur schärfen, einen Hauch heller oder dunkler und vielleicht das Bild geraderücken, wenn ich es nicht ganz horizontal ausgerichtet hatte. Aus, das wars. Bevor ich in RAW fotografiert habe, habe ich meine jpegs mit photoscape bearbeitet, einem sehr guten Freebie. Dann stieß ich auf die o.g. Videos und kaufte mir eine neue Kamera, fotografierte nur noch in RAW und schaffte mir Lightroom an. Die Möglichkeiten, die Lightroom mir bietet, sind enorm.

Dann startete Thomas die Bearbeitungs-Challenge und Birgit präsentierte ein unglaubliches Bild zweier Affen, mutig, das hatte keiner so extrem bearbeitet und ich fand es wahnsinnig gut. So etwas inspiriert mich, auch mal mutiger ranzugehen. Ich bin da zwischenzeitlich selbst etwas beherzter.

Was ist erlaubt?

Generell ist diese Frage in meinen Augen damit zu beantworten, dass das erlaubt ist, was einem gefällt. Wer es gerne realitätsnah haben möchte, super – wer es gerne deutlich entfremdet mag, ebenfalls ok. Das wird jetzt eine kleine Exkursion in die Kunst und in die Kunstepochen der letzten 150 Jahre. Bitte nicht erschrecken.

Diese Diskussion um die Abbildung der Realität, gab es schon vor geraumer Zeit in der Kunst. Man erinnere sich an Magrittes Bilder (Das ist keine Pfeife), Recht hat Herr Magritte, sein Bild zeigt das Abbild einer Pfeife.

„Ein Bild ist nicht zu verwechseln mit einer Sache, die man berühren kann. Können Sie meine Pfeife stopfen? Natürlich nicht! Sie ist nur eine Darstellung. Hätte ich auf mein Bild geschrieben, dies ist eine Pfeife, so hätte ich gelogen. Das Abbild einer Marmeladenschnitte ist ganz gewiss nichts Essbares.“

René Magritte

Empören und Erschrecken in den Zeiten des Impressionismus, wie der Name sagt, die Künstler zeigten einen flüchtigen Moment (einen Eindruck) und bedienten sich eines ganz neuen Stils, einem schnellen Farb-Stupser oder einem lässigen Pinselstrich. Das Bild erschließt sich einem aus der Entfernung, ganz nah davor, sind es bunte Punkte oder Striche. Wenn man den Weg des Bekannten und Gewohnten verlässt (hier den künstlerischen) und neue Wege begeht, ist das meistens ein Punkt für Kritik und Ablehnung.

Richtig oder falsch?

Ich sehe die Möglichkeiten der Bildbearbeitung genauso frei – ich habe die Möglichkeit eine ganz durchschnittliche Aufnahme zweier Affen zu einem mutigen Kunstwerk zu machen. Die Möglichkeiten sind uns fast allen gegeben, wie und ob wir sie nutzen liegt ganz bei uns. Es gibt (ich wiederhole: in meinen Augen) kein Falsch oder Richtig. Nichts ist absolut. Allein schon die Tatsache, dass meine Kamera ja nur einen Ausschnitt aufnimmt, ist nicht mehr realitäts- bzw naturgetreu, wenn ich es ganz genau betrachte.

Original
Original

Mein Geschmack ist es nicht so sehr farbenfroh zu entwickeln, andere lieben es knallige Farben aus dem Bild zu holen. So habe ich neulich einen Beitrag zum Thema Sommer stark entsättigt, ich fand es passend, es sollte frisch wirken. Um das zu demonstrieren seht ihr oben einmal das Ausgangsbild (leider ein jpeg) und einmal meine kühle Variante und zur anderen Seite einen warmen Sundowner. Das ist jetzt nichts Dramatisches, aber die Möglichkeit zu haben, dem Bild eine andere Aussage zu verleihen, schätze ich sehr.

Manchmal entwickele ich ein Bild 3 oder 4 Mal, weil ich mich nicht entscheiden kann, das Entwickeln ist ein Weg. Generell beschneide ich gerne, rücke gerade, schärfe nach, arbeite mit Kontrast und Dunst, Verlaufsfiltern usw. Ich habe gelernt die unterschiedlichsten Angebote, die Lightroom einem bietet auch zu nutzen – nochmals ein Dankeschön an Birgit. Die Bildbearbeitung bzw -entwicklung fällt zu 100% unter die künstlerische Freiheit. Zudem lässt sich über den persönlichen Geschmack nicht streiten.

Zu der Blogparade gab es bis jetzt schon einige interessante Beiträge, äußerst gelungen finde ich Arne’s Ansicht, bitte klickt mal, es lohnt sich.

Jeder, so wie er mag.
Kein Dogma gibt ein Richtig oder Falsch vor.


 

  1. Moin Bee,

    prima, da ist er ja, Dein Beitrag zu unserer Blogparade. Freut mich riesig, dass Du dabei bist.

    Deinen Exkurs in die Geschichte der Kunst fand ich richtig klasse. Das Beispiel mit der Pfeiffe ist wirklich unglaublich gut und verdeutlicht doch eigentlich, was wir mit unseren Fotos machen, ein Abbild erstellen – nicht mehr aber auch nicht weniger.

    Ein schönes Wochenende wünsche ich!

    LG Thomas

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    1. Hallo Thomas,

      mir schien der Vergleich mit der Kunst sehr passend und da fiel mir Magritte ein 🙂 Das Verständnis von gut oder schlecht, richtig oder falsch ist ganz subjektiv zu sehen.

      Ein sehr schönes Thema, da mache ich doch gerne mit.

      Liebe Grüße, Bee

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  2. die parade gefällt mir, da schaue ich mal vorbei. ich mag beide bearbeitungen sehr gern, es kommt sehr auf das rundherum an. mehr gefühl transportiert allerdings die warme. ich hab leider viel weniger ahnung von bildbearbeitung als ich gern hätte. mit dem, was du schreibst gehe ich praktisch zu 100% konform.

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    1. Danke, Paleica. Die Bildbearbeitung bzw -entwicklung habe ich lernen müssen, das ist ein Prozess in dem ich noch tief drinstecke. Momentan kann ich Lightroom ganz gut bedienen, aber PhotoShop ist noch ein Buch mit 7 Siegeln. Ich habe die Möglichkeiten der Entwicklung schätzen gelernt. Ein schönes Thema, das mich immer wieder fasziniert 🙂

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  3. Ein wirklich toller Beitrag – Magritte hat einige eindrucksvolle Bilder zu diesem Thema z.B. „La belle captive“ – http://de.wahooart.com/@@/8DNENU-Rene-Magritte-La-belle-captive – in dem er das Abbild und die Realität quasi ineinander legt oder der Betrachter an der Nase herumgeführt wird und sich hinter der Staffelei vielleicht eine ganz andere Realität befindet – wir wissen es nicht… Müssen wir denn, oder können wir einfach mal das annehmen was uns gezeigt wird?

    Fotos können doch auch ein bisschen wie schöne Romane sein, die uns eine Wirklichkeit glauben machen, die in der Realität nicht existiert und uns träumen lässt. Und dafür gibt es kein richtig oder falsch.

    Genauso wie es in künstlerischen Bildern zur Manipulation kommen darf, nutzt das journalistische Bild diese Möglichkeit auch, je nach Ziel, was man verfolgt kann man mit Bildern alles manipulieren. Manche Agenturen verlangen daher heute schon JPGs, damit sie sicher sein können, dass nicht manipuliert wurde – zumindest nachträglich nicht!

    Bildbearbeitung an sich würde ich auch niemals verteufeln – in Bezug auf Journalismus aber schön! Es gibt immer 2 Seiten der Medaille…

    Thomas Blogparade macht einem dies noch mal sehr bewusst!

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    1. Herzlichen Dank, Birgit. Durch meinen Vater bin ich mit Kunst und den Epochen aufgewachsen und fand die Parallele zur Kunst einfach nur passend. Ich finde auch, dass Fotografie Kunst ist. Bilder können Geschichten erzählen, das mag ich so an deinen Bildern, obwohl du manchmal nur eine Kleinigkeit zeigst, läuft da sofort das Kopfkino dazu 🙂

      Ein ganz wichtiger Aspekt, die journalistische Bilddokumentation. Da darf nicht manipuliert werden, indem man etwas bewusst löscht oder dazu montiert.

      Bildbearbeitung bzw -entwicklung ist ein Handwerk, das man lernen kann. Ich bin am Anfang, möchte aber noch viel mehr lernen. Es kostet Zeit, definitiv – aber Fotografie ist mein Hobby, da investiere ich gerne Zeit.

      Liebe Grüße, Bee

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  4. Liebe Bee,

    und nu noch mal extra … – Danke fürs Verlinken!

    Übrigens ich mag die kühlere Version deiner Strandansicht auch lieber als die warme – aber Du wirst immer Anhänger für beides finden. Es gibt so viele Möglichkeiten und es wird immer jemanden geben, dem es gefällt – auch wenn du es nur selber bist. 😉 und auch das müssen wir akzeptieren!

    LG
    Birgit

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    1. Gerne, Birgit. Die Affen sind der Hammer.

      Ich tendiere ganz klar zum kühleren Bild, das warme erdrückt mich schon, weil ich die Hitze nicht mag. Ein Bild soll mir selbst entsprechen, andere können das mögen oder auch nicht. Ich bin da frei, weil es mein Weg ist. Ich freue mich natürlich, wenn auch meinen Leser hier die Bilder gefallen. Ich freue mich sehr über einen Austausch zu dem von mir Gezeigten 🙂

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  5. Ach Bee! Egal, was ich für einen Beitrag zu einer Blogparade vorbereitet habe, der nur noch auf seine Veröffentlichung wartet – ich kann mir fast sicher sein, dass du einige Tage oder Stunden vorher auch was zu eben dieser Blogparade zeigst! 😉 Das spricht doch für einen ähnlichen Geschmack, oder?
    Naja, meine Meinung gibt es dann also morgen auf meinem Blog, damit das auch ja wieder so aussieht, als würde ich bei dir meine Ideen klauen 😉

    Dass du Bilder mehrfach bearbeitest, finde ich spannend. Mir wäre das viel zu aufwändig…
    Und auch an Programmen habe ich nicht so was wie Lightroom zu bieten, sondern arbeite mit Digital Photostudio Professional (war bei der Kamera für RAW dabei) und Gimp. Fotografie ist mir einfach nicht so wichtig, dass ich Geld in die Bearbeitung investieren mag.

    Also deine Bearbeitung mag ich sehr – ich finde, sie wirkt immer noch sehr natürlich, was mir gut gefällt. Meine eigenen Fähigkeiten halten sich bei sowas ja echt in Grenzen 🙁

    Liebe Grüße

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    1. Liebe Tabea, alles ist gut! Diesen Post hatte ich vorbereitet und geplant, als ich noch im Urlaub war. Ich bin auf deinem Blog schon auf tolle Blogparaden gestoßen und das ist doch auch Bloggen, etwas entdecken bei anderen. Es ist ein Austausch. Manchmal geht man mit einem Blogger gemeinsame Wege, das finde ich sehr schön, weil es zeigt, dass die Interessen ähnlich gelagert sind 🙂 Zum Beispiel hätte ich gerne an der Blogparade zu Essen im Urlaub teilgenommen, aber leider zu spät entdeckt 🙁

      Ich habe lange Zeit photoscape benutzt, ein tolles Tool, ein Freebie. Lightroom ist schon klasse, muss ich sagen. Ich investiere gerne in die Zeit für die Entwicklung der Bilder, ich bin schon ein ziemlich pingelig und mein größter Kritiker diesbezüglich.

      Liebe Grüße, Bee

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  6. Das Thema finde ich sehr spannend. Im Grunde bin ich zu neu dabei, als dazu wirklich etwas sagen zu können. Ich freunde mich gerade mit Ligthroom an…;-). Die Parallele zur darstellnden Kunst finde ich sehr passend…Liebe Grüße, Lotta.

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    1. Herzlichen Dank, Lotta. Lightroom ist für mich auch noch relativ neu, ich habe es erst ein halbes Jahr im Einsatz. Ich kann zur Orientierung YouTube sehr empfehlen, da habe ich sehr viel gelernt zu Bildentwicklung mit Lightroom. Wenn du Fragen hast, ich helfe dir gerne 🙂

      Liebe Grüße, Bee

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  7. „Manchmal entwickele ich ein Bild 3 oder 4 Mal, weil ich mich nicht entscheiden kann…“, das kenne ich nur zu gut. Und ich teile Deine Meinung. Kein Richtig oder Falsch, sondern so, wie es jeder mag. Frei nach Geschmack, Stimmung, Bildaussage oder oder oder. Danke für den Verweis auf die Blogparade, da schaue ich auch mal vorbei.

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    1. Schön, dass du das auch so siehst, da scheiden sich scheinbar die Geister, wenn du andere Beiträge liest 🙂 Wie du sagst, ich kann eine Aussage rausarbeiten, das finde ich toll und nutze dazu LR gerne. Leider beherrsche ich PS noch nicht, das ist ja noch mal eine andere Dimension…

      Liebe Grüße, Bee

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  8. Sehr interessantes Thema, das gerade zur rechten Zeit „zu mir kommt“, da ich gerade anfange, mich mit dem Thema zu beschäftigen. Ich glaube, sobald man seine Kamera einigermaßen beherrscht, steht das Thema eben an… und ich habe noch keine „fertige“ Meinung, denn komplett unbearbeitete Fotos finde ich manchmal mindestens genau so toll wie nachbearbeitete, da ich doch schon einiges vorher an der Kamera einstelle und kaum im „Standard“-Modus fotografiere… Habe hier auf jeden Fall einiges an Anregungen gefunden – supi!

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    1. Hallo Heidi, ich war anfangs auch ein Purist und dachte, so wie ich die Aufnahme mache, so ist das Bild. Lernt man die Bearbeitungs-Möglichkeiten erst einmal kennen, dann wird man immer bearbeiten – so glaube ich zumindest 🙂

      Das ist aber eine ganz subjektive Aussage, jeder so, wie er es möchte. Ich habe Spaß an der Bearbeitung, bin aber bei weitem kein Profi. Und auch ich habe Bilder, da gehe ich nur ganz minimal ran, etwas ausrichten und schärfen und gut ist es 🙂 Aber ich habe die Möglichkeit es zu bearbeiten, wenn ich mag

      Liebe Grüße, Bee

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  9. Außerdem habe ich durch deinen Beitrag gelernt, was eine Blogparade ist und dass es so etwas überhaupt gibt… das finde ich zudem sehr spannend und schaue mich mal um, wo und ob ich welche finde, die mir Spaß machen würden… Sei lieb gegrüßt und hab Dank für die Inspiration!

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    1. Blogparaden gibt es immer, schau mal bei http://lexasleben.de, sie führt eine Liste über laufende Blogparaden. Da ist für jeden etwas dabei, Foto-Blogparaden, Bücher-Paraden, Serien usw

      Viel Spaß beim Stöbern dort 🙂

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