Clue Writing – Mein erster Versuch

Für mich ist die Blogparade der Ladies von Clue Writing eine echte Herausforderung, ich bin fasziniert von der Aufgabe. Das Thema ist vorgegeben (Das Geheimnis der Hundesitterin) und meine Geschichte um dieses Thema soll um die 1000 Worte umfassen. Sofort wusste ich, ich mach das und habe dann erst einmal lange überlegt, wie ich die Geschichte ansetze. Dazu kommt, dass ich nicht wirklich schreiben kann, ich möchte mich trotzdem dieser Aufgabe stellen. Die Aktion läuft bis zum 15. Mai. Auf geht’s.

hundesitterin

Das Geheimnis der Hundesitterin

„Bis später, Emily. Ich habe gleich einen Friseurtermin. Ich denke, dass ich erst gegen 19h wieder zu Hause bin“. „Kein Problem, Frau Webber, ich lasse mir Zeit“. Emily und Sparky folgten dem Lauf der Strasse, vorbei an netten Einfamilienhäusern und gepflegten Vorgärten.

Vor 2 Monaten hatte Emily im Supermarkt am schwarzen Brett den Aushang gefunden. „Hundesitter/in gesucht. Bevorzugt nachmittags“. Sie rief an und durfte sich am nächsten Tag gleich vorstellen kommen. Frau Webber war selbständig und hatte für den kleinen Sparky eigentlich gar keine Zeit. Emily fragte sich immer wieder, warum schafft sich so jemand einen Hund an? Im Prinzip war es ja gut so, so konnte sich sich nachmittags unter der Woche ein bisschen was verdienen. Frau Webber zahlte ihr diesen Dienst sehr gut und in den vergangenen Wochen hatte sie schon eine nette Summe zusammengespart.

Auch heute verließ sie schnell die Straßen des Ortes und lief mit Sparky in den Wald. Er liebte es im Wald zu toben, zu tollen und zu graben. Frau Webber störte sich manchmal daran, dass Emily einen ziemlich dreckigen Sparky mit nach Hause brachte. Ansonsten schätze Frau Webber es, dass Emily sehr zuverlässig ihren Hund ausführte und ihr damit ein bisschen des schlechten Gewissens nahm.

Emily kam aus einfachen Verhältnissen und war darauf angewiesen Geld zu verdienen. Bald startete das 3. Semester ihres Psychologie-Studiums. Ein Großteil ihres selbstverdienten Geldes ging für Bücher drauf, sie pendelte mit öffentlichen Verkehrsmitteln zur Uni – so konnte sie sich ein Studentenzimmer sparen. Ihre Eltern waren wegen der hohen Kosten gegen das Studium gewesen. Als sie sich nach dem Abitur entscheiden musste, war für sie klar, dass sie Psychologie studieren wollte. Besonders interessierte sie sich für psychische Störungen und deren therapeutische Ansätze. So hatte sie im letzten Jahr angefangen mit kleinen Jobs, sie hatte schon einiges ausprobiert von Nachhilfe, über Waren ein- und ausräumen im Supermarkt bis hin zur Küchenhilfe im Altersheim.

Momentan waren noch Semesterferien und der Sommer neigte sich langsam dem Ende. Auf einmal meldete sich ihr Handy. Eine Nachricht von Frau Webber „Emily, ich schaffe es leider nicht um 19h zu Hause zu sein. Mein Mann sollte aber bis dahin da sein… Sorry“. Wahrscheinlich war sie wieder zu spät beim Friseur erschienen und jetzt hing sie allem etwas hinterher, Frau Webber hatte etwas chaotisches, unorganisiertes an sich. Da es ohnehin langsam etwas dunkler wurde, machte sie sich mit Sparky auf jeden Fall schon mal grob auf den Weg zu den Webbers. Herrn Webber hatte sie noch nie gesehen bzw kennengelernt, sie wusste nur, dass er bei einer Bank arbeitete.

Wieder im Örtchen angekommen, gönnte sie sich nach dem ausgedehnten Waldspaziergang noch ein Eis bei Salvatore und bewegte sich nach einem großen Erdbeer- und Schokoeis langsam in Richtung von Sparky’s Zuhause. Die Temperaturen sanken merklich mit der schwindenden Sonne. Sie war jetzt auch müde und wollte in Ruhe zu Hause duschen und vielleicht noch mit ihrer Freundin Jenna einen Film gucken. Frau Webbers BMW war nicht in Sicht, aber im Haus brannte Licht, somit war scheinbar Herr Webber da. Es war kurz nach 19h als Emily schellte.

Schon kurz nach dem Klingeln öffnete sich die Tür. Emily erstarrte fast. „Hallo, Sie müssen Emily sein. Ich bin Mark, Mark Webber. Schön Sie kennenzulernen“. Emily war kaum in der Lage etwas zu sagen. Mark war ganz verwundert, Emily schien ihn anzustarren, doch dann fand sie wieder Worte „Hallo Herr Webber, ja, ich bin Emily……  Ich bringe Sparky zurück“. Mark wollte sie noch ins Haus bitten und bot ihr an, auf seine Frau zu warten wegen der Bezahlung. „Nein, Danke, Herr Webber, ich habe gleich noch eine Verabredung, das mache ich morgen mit Ihrer Frau. Einen schönen Abend“.

Emily war immer noch völlig überrascht, doch langsam wich der Schock dieser Begegnung einem verschmitzten Lächeln.

Nach dem ersten Semester hatte sie sich mit einem Mädchen angefreundet, die ebenfalls Psychologie studierte, allerdings schon kurz vor der Diplomprüfung war. Verena war sehr zielorientiert und strahlte für viele eine Kühle aus, die Emily nicht nachvollziehen konnte. Sie finanzierte ihr Studium ebenfalls alleine, ohne Hilfe der Eltern. Verena war immer sehr gut gekleidet und fuhr einen neuen Golf mit Lederausstattung. Irgendwann nachdem Emily und Verena sich schon etwas kannten, verriet sie womit sie ihr Geld verdiente. Sie schlüpfte am Wochenende in Lack und Leder und arbeitete als Domina, sie selbst bezeichnete sich als Herrin. Sie bestimmte wann und wo und es gab keinen körperlichen „Kontakt“. Verena war fasziniert von der psychosozialen Komponente dieses Jobs. So sehr, dass sie das Thema aufgriff für Ihre Diplom-Arbeit. Offenbar bezahlten Männer diesen Dienst sehr gut. Aus einer Laune heraus, sagte Emily zu, einmalig für einen Tag lang Verena’s Sidekick zu sein. Emily wollte so professionell wie irgendmöglich aussehen und zwängte sich in einen unglaublich engen schwarzen Catsuit und da sie nicht erkannt werden wollte, trug sie eine schwarze Ledermaske, das gab ihr wenigstens ein bisschen das Gefühl von Sicherheit. An diesem besagten Tag hatte sich Verena’s Stammkunde angesagt, Peter. Peter kam mindestens einmal im Monat. Laut Verena war er genau der richtige für ihr 24 Stunden Projekt. Peter hatte eigentlich immer nur einen ganz bescheidenen Wunsch und der war, das Zimmer zu putzen und zwar nackt. Emily und Verena mussten lediglich klare, deutliche Ansagen machen, was geputzt werden sollte und es wurde streng kommentiert, wenn es nicht absolut perfekt war. Nach diesem Putz-Erlebnis warf Emily jedoch frühzeitig das Handtuch und beendete die 24h Domina Challenge. Das war so überhaupt nicht ihr Ding.

Und irgendwie hatte Emily gedacht, diese Erfahrung wäre ein für alle mal abgehakt. Bis sie jetzt nach einem knappen halben Jahr Peter ganz unerwartet wiedersah. Peter bzw Mark, der freundliche Ehemann ihrer Arbeitgeberin. Schmunzelnd fragte sie sich, ob er wohl zu Hause auch solche Putzqualitäten aufwies?


 

  1. Liebe Bee,

    ich kann einfach nur eins sagen: ich möchte weiterlesen, bitte :). Das du schreiben kannst, wusste ich schon und ich würde mich sehr freuen, eine der ersten Leserinnen deines Buches zu werden.

    Glückwunsch zum gelungenen Start.

    Liebe Grüße
    Mimi

    Antworten

    1. Liebe Mimi,

      Das freut mich wirklich sehr. Ich war richtig unsicher, weil ich noch nie etwas geschrieben habe. Den Plot aufzubauen war das schwierigste. Das Schreiben ging mir recht einfach von der Hand…. Schau doch mal auf die Clue-Writing Seite, ich finde, es gibt da richtig tolle Kurzgeschichten. Ich wollte es einfach mal versuchen :)

      Liebe Grüße, Bee

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  2. Liebe Bee,

    ich kannte Clue Writing bisher gar nicht. Das ist ein wirklich gutes Konzept.

    Kompliment! Deine Geschichte ist sehr gut und ansprechend geschrieben. Du solltest aus deinem Talent unbedingt etwas machen.

    Ich hoffe, du schreibst nochmals eine weitere Geschichte bei Clue Writing.

    Liebe Grüße Rosa

    Antworten

    1. Liebe Rosa,
      Danke, das ist sehr nett. Es hat mir auf jeden Fall Spaß gemacht, auch wenn es eine ungewohnte Aufgabe war.
      Das eigentliche Clue Writing ist ja noch ein bisschen schwieriger, da muss ich mal in mich gehen ;)
      Liebe Grüße, Bee

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  3. Das mit der Selbstkritik kenn ich nur zu gut!! Aber erstens mal ist Dir das wunderbar gelungen und daher gibt es keinen Grund für Kritik und zweitens sind wir doch im geschützten www unterwegs, da kann man sich ja (fast) nicht blamieren ;-) Und wie gesagt, Grund dazu gibt es sowieso nicht… Schön geschrieben!!

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    1. Danke, Markus. Das freut mich wirklich. Es war eine echte Herausforderung. Wenn ich dann die Beiträge anderer lese, finde ich deren Ideen dann immer viel besser als meine… Na ja, es ist online und es hat mich richtig Überwindung gekostet auf „Veröffentlichen“ zu drücken.
      Liebe Grüße und Danke für deine netten Worte.
      Bee

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  4. Hallo Bee,
    Glückwunsch zum gelungenen Debüt!
    Was für ein überraschendes Ende :-)
    Deine Geschichte zu lesen, hat mir echt Spaß gemacht. Vielleicht solltest du dich öfter zum Schreiben aufraffen.
    Einen schönen Sonntag
    Ann-Bettina

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    1. Hallo Ann-Bettina,
      Das ist wirklich nett von Dir, herzlichen Dank! Ich habe richtig mit mir gerungen, ob ich mein Erstlingswerk veröffentlichen kann. Ich bin recht selbstkritisch.
      Mal sehen, wenn sich noch einmal eine Chance zum Schreiben ergibt… :)
      Dir auch einen schönen Sonntag.
      Liebe Grüße, Bee

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